Wir stellen uns vor

Chronik des Rheinländer - Verein e.V. Osnabrück 1898 

Vorbemerkung: Am 11.11.2008 erhielt der Rheinländer Verein aus den Händen von Klaus Krausewitz (83) den karnevalistischen Nachlaß seines Vaters Ferdinand Krausewitz, 1892 der seit 1922 Mitglied des RVO war und dessen Präsident von 1927 - 1931 und von 1949 - 1966 war. In den Unterlagen befand sich ursprünglich auch eine von Ferdinand Krausewitz handschriftlich abgefasste Chronik aus dem Jahr 1958, die von den Urenkeln Krausewitz per PC übertragen wurde. Das Original, in Sütterlin- Schrift abgefasst, ist leider nicht erhalten geblieben. Die Erkenntnisse aus dieser zeitgemäßen Chronik haben den Verfasser veranlasst, die Chronik des RVO zu überarbeiten. Hierbei ist zu berücksichtigen, dass es jahrzehntelang den Rheinländerverein Osnabrück in Form einer “Landsmannschaft” gab und innerhalb dieses Vereins jeweils vom 11. im 11. bis zum Aschermittwoch eine selbstständige Abteilung “Große Karnevalsgesellschaft Osnabrück” mit oder ohne Zusatz “Rheinländer”. Da sowohl der Mutterverein Rheinländer als auch die Karnevalsgesellschaft über eigene Präsidenten oder Vorsitzende verfügten, die teilweise identisch waren, ist es den nachfolgenden Chronisten nicht mehr eindeutig gelungen, diese auseinander zu halten. Selbst das seit 1923 vorliegende Vereinsregister des Amtsgerichtes wurde 1961 wegen Unübersichtlichkeit umgeschrieben und neu begonnen. 

Die Gründung des Rheinländer Vereins dürfte Anfang 1898 im Hotel Burghof, damals am Schillerplatz gelegen, erfolgt  sein, mit dem Ziel, den in Osnabrück ansässigen Rheinländern eine gesellschaftliche Heimat zu geben.

Damals, so wörtlich, wollten die Osnabrücker lieber unter sich sein und die Hinzuziehenden hatten Schwierigkeiten sich zu etablieren. Präsident dieses Vereins wurde W. Gustav. Schon seit dieser Zeit wird unter anderem von dem traditionellen Hämchenessen berichtet. Darüberhinaus legte man großen Wert auf ein soziales Engagement besonders für mittellose Kinder. So wurden in jedem Jahr an jedes Waisenhaus in Osnabrück mehrere hundert Mark, nie unter    500,00 Mark (damals ein Vermögen) gespendet. Nach dem 1. Weltkrieg zur Zeit der Rheinlandbesetzung nahm der Rheinländer-Verein außerdem politische Interessen wahr. So organisierte der Rheinländer-Verein z.B. einen Protestumzug gegen die Rheinlandbesetzung mit einer Beteiligung, wie ihn Osnabrück bis heute noch nicht wieder erlebt hat. Von dieser Zeit zeugt noch die Schwurhand als Spitze des Rheinländer-Vereins, die leider seit den 1980er Jahren verschollen ist.

Es könnte Ende November gewesen sein, als sich im Jahre 1898 zehn Rheinländer zur Stammtischrunde im Hotel Walther, Schillerstraße 26 trafen. Auf jeden Fall war es nach dem 11. im 11., denn man weilte mit den Gedanken am Rhein, wo die "Jecke Zick" ausgebrochen war und der Fastelovend bevorstand.

Wörtlich berichten die Annalen von folgendem Gespräch: "Wenn wir elf wären, dann könnten wir einen Elferrat bilden, und wo ein Elferrat ist, da ist auch bald Karneval." Wer diesen Ausspruch getan hat, ist nicht vermeldet. Jedenfalls wollte es der Zufall, dass Wilhelm Walter, der Hotelier ein Aachener war. Er stieß zu dem "Schmölzje" und wurde sogleich zum Präsidenten ernannt. Bahnhofswirt Heinrich Schorn soll folgenden Ausspruch gemacht haben: " So wör d`r Elferrat zesamme." Die “Große Karnevalsgesellschaft Osnabrück” war geboren, um vom 11. im 11. bis Aschermittwoch eines jeden Jahres Karneval in rheinischer Art zu feiern.

Es begann eine Aera , die die Presse 60 Jahre später mit der Überschrift apostrophierte : "Sie brachten den Karneval an die Hase...". Wenn diese Überschrift auch nicht ganz den Tatsachen entspricht, so sagt sie doch vieles über die Bedeutung und den Einfluß aus, den der Rheinländer Verein auf den Osnabrücker Karneval in den folgenden Jahren hatte. Bald schon präsentierte sich der junge Verein in prachtvollen Ornaten, die Agnes Schoeller dem Verein gestiftet hatte. Feste mit urwüchsiger rheinischer Mentalität schlugen Wurzeln im Osnabrücker Karneval.

Das 25-jährige Jubiläum bescherte dem Verein 1923 eine neue Standarte, die auch heute noch erhalten ist. Vielleicht ist es diese Standarte, die den Rheinländer-Verein über alle Hochs und Tiefs im Vereinsleben zusammen gehalten hat. Zwischendurch löste der Rheinländer Verein die Karnevalsgesellschaft Osnabrück in der Durchführung der Festivitäten ab.

Unterbrochen wurde die glanzvolle Entwicklung erst durch den 2. Weltkrieg, der dem fröhlichen Narrentreiben abrupt ein Ende setzte. Bis auf die Standarte gingen alle Vereinsinsignien und der überwiegende Teil des Archivs verloren.

Obwohl die Rheinländer bereits 1945 mit dem Wiederaufbau des Vereins begannen, konnte erst 1949 wieder ein Maskenball gefeiert werden. Mit Ferdinand Krausewitz trat 1949 eine Präsidentenpersönlichkeit mit besonderem Geschick an die Spitze des Vereins, der bereits die Karnevalsgesellschaft von 1927 bis 1931 führte. Er verstand es, nicht nur dem Osnabrücker Karneval neue Impulse zu geben, sondern prägte nicht unwesentlich das Karnevalsgeschehen im Norddeutschen Raum als Vizepräsident des Norddeutschen Karneval Verbandes. Unter seiner Führung reihte sich in den kommenden Jahren in Osnabrück ein glanzvolles Fest an das andere. Im Jahre 1955 gründete sich der Stadtausschuß Osnabrücker Karne-valisten, aus dem dann später der Bürgerausschuß Osnabrücker Karneval wurde. Der Rheinländer-Verein gehörte zu den vier Gründergesellschaften und Ferdinand Krausewitz wurde Präsident dieses Ausschusses. 

Inzwischen hatte mit Ernst Feldmann ein Osnabrücker Urgewächs und ein Erzkarnevalist das närrische Podium betreten. Als Organisator, Büttenredner, Texter, Sänger und Komponist wurde er weit über die Osnabrücker Grenzen hinaus bekannt. Er schuf mit seinem Lied, "Zickezacke Osnabrücker Pumpernickel", den ersten bodenständigen Karnevalsschlager. In der Session 1958/59 bekleidete Erni Feldmann die Würde des Osnabrücker Stadtprinzen. Er war es, den die Rheinländer im Jahre 1966 zu ihrem Präsidenten wählten, als Ferdinand Krausewitz in den wohlverdienten Ruhestand trat und Ehrenpräsident der Gesellschaft wurde.

Unglückliche Umstände, die bedingt durch den Mangel an geeigneten Veranstaltungsräumen auftraten, ließen zeitweise das Rheinländer-Narrenschiff ins Schlingern geraten. Trotz heftiger Stürme waren die Rheinländer nicht unterzukriegen.

Erni Feldmann legte das Amt des Vorsitzenden im Jahre 1981 nieder, blieb aber Präsident der Gesellschaft, um den Verein weiterhin in und um Osnabrück mit seiner Persönlichkeit zu vertreten.

Das Jahr 1993 brachte die Wende für den Rheinländer-Verein. Erni Feldmann konnte Friedrich Lipps, einen gebürtigen Kölner und damals Vorsitzender des Traditionsausschusses im Bund Westfälischer Karneval für den Verein gewinnen. Er führte den Rheinländer-Verein als Geschäftsführer zu einer Neuorientierung und eine Anzahl aktiver Karnevalisten scharten sich um die Gesellschaft. Der Mitgliederbestand steigt von noch 8 Personen innerhalb kurzer Zeit auf über 50.

Der Wille des Vereins ist ungebrochen, das Narrenzepter weiterhin in der Hand zu halten.

Um diesem Ziel gerecht zu werden, übernimmt der Rheinländer-Verein für den Bürgerausschuss Osnabrücker Karneval die Trägerschaft des offiziellen Kinderkarnevals in Osnabrück Stadt und Land und lässt erstmals ein Stadt-Kinderprinzenpaar proklamieren. 

Im September 1994 tritt der Rheinländer-Verein wieder dem Bund Deutscher Karneval e.V. und dem Bund Westfälischer Karneval e.V. bei. 

Die Tanzformation "Charisma", schließt sich dem Rheinländer-Verein an und vertritt dessen Farben nicht nur auf Veranstaltungen während der Karnevalszeit. Unter dem Namen “Rheintöchter” tritt diese Gruppe in Kostümen auf, die sich nur in den Farben von denen der ältestes Kölner Tanzgruppe “Hellige Knäächte un Mägde” unterscheiden. Anfang 2006 beenden die Rheintöchter vorläufig ihre tänzerischen Aktivitäten.

Mit den "Rheinperlen" wird 1997 die Nachwuchsgruppe unserer Tanzformation "Charisma" gegründet, die von Marina Reitenbach trainiert wird.

In der Jubiläumssession 1998/99 stellt der Rheinländer-Verein erneut das Stadt-Prinzenpaar (Ehepaar Möllers) und das Stadt-Kinderprinzenpaar mit Hendrik I. (Haake) und Anna I. (Willmann).

Nach einer brillanten 100 Jahr-Feier traten Spannungen auf, die zu völlig überflüssigen Querelen führten und in der Presse einseitig mit unzutreffender Polemik ausgetragen wurden. Eine Einigung konnte nicht herbeigeführt werden, sodass es letztendlich im Oktober zu einer Spaltung kam.

Nach dem Motto: “ Met uns mäht keiner d`r Molli mieh” geht es weiter. Friedrich Lipps übernimmt als Vorsitzender und Präsident die Geschicke des traditionellen Rheinländer-Vereins.

Der Rheinländer-Verein Osnabrück von 1898 wächst und gedeiht und zählt heute trotz des “Aderlasses” zu den größten Karnevalsgesellschaften Osnabrücks.

Mit über 30 Veranstaltungen ist der Terminkalender des Rheinländer Vereins prall gefüllt. Besondere Highlite`s sind die Teilnahmen an einer Kostüm-Sitzung und an einer Herrensitzung während der Karnevalszeit in Köln.

Ralf Heidrich, der unter anderem als Beauftragter des BOK für die Jugendarbeit zuständig ist, übernimmt 2002 das Amt des Vorsitzenden und Präsidenten.

Mit Michael Steinberg hat der Verein ab 2010 einen neuen Geschäftsführer.

Giedo Scheming versteht es als Schatzmeister, die finanziellen Belange des Vereins sicher zu verwalten.

Alle übrigen Vorstandsämter sind mit ebenfalls mit jüngeren, begeisterungsfähigen Karnevalisten besetzt. Friedrich Lipps wird zum Ehrenpräsidenten ernannt und gleichzeitig zum Präsidenten des neu geschaffenen Senats bestellt. Der Senat besteht aus dem geschäftsführenden Vorstand und aus Förderern der Gesellschaft und hat beratende Funktion gegenüber dem Verein

Sein 111. Jubiläum begeht der Rheinländer-Verein mit einer Matinee am 11.01.09 im Steigenberger Hotel Remarque. Unter dem Motto „Die Gratulanten kommen“ sind die Spitzen aus Verwaltung, die Freunde und Gönner des Vereins sowie die Abordnungen aus Verbänden und aus den Vorständen der dem BOK angeschlossenen Gesellschaften eingeladen. Die Närrischen Insulaner und das Reitercorps „Jan van Werth“ aus Köln erweisen uns ihre Referenz. Im Programm treten hauptsächlich Spitzenkräften des Kölner Karnevals auf.

Am 2. Juli 2010 verstarb unser Ehrenpräsident Erni Feldmann im Alter von 83 Jahren. In einer würdigen Trauerfeier konnten wir Abschied von dem Nestor unseres Vereins nehmen.

Nachdem Ralf Heidrich aus beruflichen Gründen sein Amt als Beauftragter des Kinder-und Jugendkarnevals im BOK niederlegte und sich kein jüngeres Mitglied in der Gesellschaft fand, das das Amt übernehmen wollte, mussten wir im Sommer 2015 die Trägerschaft für das Kinder-Stadtprinzenpaar zurückgeben. Damit endete mit dem 21. Kinder-Stadtprinzenpaar für den Rheinländer-Verein eine liebgewonnene Aera.

 

RVO2009